Platinenherstellung mit der verbesserten Direkt-Toner-Methode

Hin und wieder möchte man sich eine Platine ätzen. Sei es für eine technische Cachestation, den Musikgenuss und was auch immer. Wer dabei nicht auf Loch-/Streifenraster Platinen zurückgreifen möchte oder kann und stattdessen lieber eine „richtige“ Platine haben möchte, der steht immer vor der Frage: Wie komme ich zur Platine?

Man kann natürlich sein Layout zu den einschlägig bekannten Dienstleistern geben – das lohnt sich aber insbesondere für Einzelstücke oder schnell benötigte Platinen nicht.
Man muss in solchen Fällen also zwangsläufig zur Eigenherstellung greifen.

Normalerweise kramt man dann also seine photobeschichteten Platinen und die Belichtungslampe hervor usw.

Viel schneller, billiger und vor allem fehlerfreier geht es mit der Direkt-Toner-Methode. Dort entfällt nämlich der ganze Prozess des Belichtens, Entwickelns usw.

So, und nun zur Anleitung:

1. Erstelle dein Layout wie gewohnt. Drucke es dann mit einem Laserdrucker auf ein normales Blatt Papier. Bei SMD-Bauteilen muss der Ausruck spiegelverkehrt erfolgen, bei konventionellen NICHT!

2. Klebe nun über das ausgedruckte Layout ein ausreichend großen Stück Bucheinbindefolie. Also diese durchsichtige, selbstklebende,GLATTE (wichtig!) Folie mit der man z.B. Schulbücher einklebt um sie zu schütze.

3. Drucke das Layout nun mit maximaler Tonerdichte auf die Folie. Achtung! Die Folie kann sich im Drucker lösen und dort verkleben! Ich übernehme keine Haftung für Schäden an euren Geräten!!
Im Normalfall sollte das nicht passieren wenn man die Folie vorh
er fest andrückt.

Layout auf Folie

4. Schneide den Audruck nun aus und lege ihn mit der bedruckten Seite auf eine NICHT PHOTOBESCHICHTETE Kupferplatine. Die Platine sollte vorher mit Aceton o.Ä. fettfrei gemacht werden.

5. Nimm nun ein Bügeleisen, stelle es auf die höchste Stufe und bügel das Layout. Dabei wird der Toner flüssig und verbindet sich mit der Platine.
Wie lange man Bügeln muss hängt von verschiedenen Faktoren ab, 1 Minute dürfte aber ein guter Richtwert sein.

Das Layout mit leichtem Druck aufbügeln

6. Lass nun die Platine abkühlen und ziehe dann einfach das Papier mit der Folie ab.
Sollte das Layout nach dem abziehen unvollständig sein muss man länger und/oder mit mehr Druck bügeln, bei verlaufenen Layouts kürzer und/oder mit weniger Druck.

Das fertig aufgebügelte Layout nach dem Abziehen der Folie

7. Nun einfach im gewünschten Ätzmittel baden. Der Toner ist resistent gegen die Ätzmitel und schützt somit die zukünftigen Leiterbahnen.

8. Wenn der Ätzvorgang fertig ist die Platine rausnehmen, abspülen und den Toner mit Aceton entfernen

Fertig geätzte Platine - Toner schon entfernt

9. FERTIG

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8 Antworten

  1. Hallo, das Verfahren ist bekannt, ich kenne es allerdings mit „glattem“ Papier.
    Sehr gut geeignet sind z. B. die Seiten des REICHELT Katalogs, den hat sowieso jeder Elektronikbastler.

    Ich persönlich hätte bei Bucheinbindefolie auch viel zu viel Angst um meinen Drucker.

    • Ja, die Methode mit den beschichteten Papieren (Kataloge…) ist die ursprüngliche.
      Man hat jedoch immer den Ärger mit den Papierfasern und zumindest bei mir waren die Ergebnisse bei weitem nicht auf dem Niveau der Folienmethode.
      Mit Papier war SMD z.B. immer ein echter Krampf. Bis das halbwegs funktioniert hat habe ich meist deutlich über 5 Versuchen benötigt.

    • Hallo
      Ich habe die Methode mit den Reichelt Seiten auch schon gemacht. Da mein Drucker bei ähnlich Seiten immer die Seite verklemmt habe ich heute die Methode mit der Klebefolie ausprobiert, hatte aber damit keinen Erfolg. Nun meine Frage, musst du wirklich nur ca 1 Minute erhitzen? Weil ich habe heute versucht eine Doppelseitige herzustellen, ich erhitzte eine Weile als aber das Tuch(Schutz für das Bügeleisen) langsam braun wurde habe ich aufgehört. Übernommen hatte es schlechter als bei der Reichelt Methode. Warum das?

      • Hi,
        zum Einen benutze ich kein Tuch zwischen Bügeleisen und Papier – das bringt schonmal viel und dem Bügeleisen hat es bisher auch noch nicht geschadet. Zudem kommt es sehr stark auf die verwendete Folie an. Meine ist von Ka***adt und hat Linien am Trägerpapier. Mit einer anderen Folie ging es bei mir auch erst garnicht. Also einfach mal die besagte Folie besorgen und dann nochmal versuchen.

  2. […] SMD Bauteile gemacht. Ich wollte ausprobieren in wieweit sich diese Bauteile in Kombination mit selbstgeätzten Platinen sinnvoll löten lassen – mein Fazit: […]

  3. ?? Das klingt etwas unlogisch. Warum erst auf Papier und dann noch auf Folie drucken? Was bügel ich denn nun genau auf die Platine? Bitte um Erklärung!

    • Der Ausruck auf Papier dient lediglich dazu, dass man die Folie nachher passend aufkleben kann.
      Aufgebügelt wird der Toner, der auf die Folie gedruckt wurde – da er dort nicht „einzieht“ wie in Papier kann er mit Hitze abgelöst werden und überträgt sich auf die Platine

  4. […] sich im oben gezeigten Schaltplan und ein PDF mit meinem Layout zum ausdrucken (und vllt. mittels Toner-Tranfer weiterbearbeiten) gibt es […]

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